RADIOLOGISCHE EINSATZFELDER

Herz und Gefäße

Unsere Blutgefäße vollbringen jeden Tag Höchstleistungen. Jeden Tag schlägt das Herz etwa 100.000 Mal und pumpt dabei 10.000 Liter Blut durch die Gefäße – das entspricht in etwa dem Inhalt von 100 Badewannen. Arterien, Venen und Kapillaren bilden den Kreislauf, der das sauerstoffreiche Blut zu Organen, Geweben und Zellen bringt und sauerstoffarmes Blut wieder zurücktransportiert. Bei der Belastung ist es kaum verwunderlich, dass vaskuläre Erkrankungen, also Gefäßleiden wie Schlaganfall, Herzinfarkt, Gefäßverkalkungen, Verschlüsse peripherer Arterien in Armen und Beinen sowie Aneurysmen, zu den häufigsten Krankheiten – und auch Todesursachen – in Deutschland und anderen Industrieländern zählen. Meist stecken dahinter Verschlüsse oder Verengungen von Blutgefäßen, die wiederum auf Thrombosen, also Blutgerinnseln, oder Plaqueablagerungen und Arterienverkalkung beruhen. Übrigens litt schon die Gletschermumie "Ötzi" unter Arterienverkalkung, wie eine radiologische Studie im Bozener Krankenhaus ergab... hier lesen Sie mehr.

Radiologinnen und Radiologen spielen bei der Diagnose von Erkrankungen an Herz und Gefäßen eine wichtige Rolle - und sie sind auch in der Behandlung aktiv, mit Hilfe minimalinvasiver Eingriffe in der interventionellen Radiologie.

INTERVENTIONELLE RADIOLOGIE

Radiologen spielen bei der richtigen Diagnose und Therapie von Gefäßerkrankungen eine wichtige Rolle, denn sie beherrschen fast alle bildgebenden Verfahren und bringen diese Expertise in enger Abstimmung mit den Kollegen anderer medizinischer Fachgebiete in Therapiekonzepte ein. Mithilfe minimalinvasiver interventionell-radiologischer Eingriffe können viele Patientinnen und Patienten besonders schonend behandelt werden. Im Gegensatz zu offenen chirurgischen Operationen sind bei den so genannten minimalinvasiven Eingriffen oft nur eine örtliche Betäubung und ein 2 bis 4 Millimeter kleiner Einschnitt in die Haut notwendig. Im Interview erläutert Prof. Dr. Peter Huppert vom Klinikum Darmstadt, welche Vorteile die interventionelle Radiologie bietet - aber auch, wo ihre Grenzen liegen. Im Glossar finden Sie die wichtigsten Fachbegriffe rund um die interventionelle Radiologie auf einen Blick.


KARDIO-MRT UND KARDIO-CT

Mit Hilfe der Magnetresonanztomografie (MRT) und der Computertomografie (CT) lassen sich Köpergewebe mit hohem Wassergehalt wie das Herz besonders genau darstellen. Eine MRT- oder CT-Aufnahme des Herzens, die so genannte Kardio-MRT oder Kardio-CT, können in bestimmten Fällen Eingriffe per Herzkatheter überflüssig machen. Welche Fälle das sind und wie die Untersuchung abläuft, erläutert Prof. Dr. Matthias Gutberlet, Chefarzt der Abteilung für Diagnostische und Interventionelle Radiologie im Herzzentrum Leipzig und Inhaber der W2-Stiftungsprofessur für Kardiologische Bildgebung der Universität Leipzig, im Interview.

Im Mini-Ratgeber finden Sie Tipps, wie Sie Herzerkrankungen vorbeugen.


SCHLAGANFALL-FORSCHUNG MIT BIG DATA

Die Daten vieler Patienten mit einer bestimmten Erkrankung können helfen, diese Krankheit besser zu verstehen. Wie sie entsteht, wie man sie am besten diagnostiziert und therapiert. Doch Studien sind aufwändig und die Anzahl an Teilnehmern aufgrund von Zeit- und Budgetlimits oft beschränkt. Darum wählte Dr. Andreas Schindler vom Klinikum der LMU München einen anderen Ansatz, dank Datensharing: Er hat 772 individuelle Patienten-Daten mehrerer Studien zusammengetragen und konnte so einen sehr viel größeren Informations-Pool zum Schlaganfall-Risiko analysieren. Neue Erkenntnisse könnten jetzt dazu führen, andere Diagnostikverfahren einzusetzen und optimierte Therapien zu entwickeln. Lesen Sie mehr im Interview.



MAGNETIC PARTICLE IMAGING - EIN NEUES VERFAHRUNG FÜR DIE GEFÄSSERWEITERUNG
Die permanente technische Weiterentwicklung in der Radiologie zeigt sich in der ständigen Verbesserung bestehender Technologien wie Röntgen, Computertomografie (CT) und Magnetresonanztomografie (MRT) sowie in der Erforschung neuer bildgebender Methoden. Ein vielversprechendes, noch recht junges tomografisches Verfahren ist das Magnetic Particle Imaging, kurz MPI – übersetzt: Magnetpartikelbildgebung. Im medizinischen Bereich soll das innovative, strahlungsfreie Verfahren vor allem bei der Erkennung von Gefäßerkrankungen und in der Krebs-Diagnostik eine neue Dimension detaillierter Diagnostik ermöglichen. Dr. Stefan Herz, angehender Radiologe am Universitätsklinikum Würzburg, hat untersucht, wie gut sich das MPI-Gerät für die begleitende Sichtkontrolle während einer Gefäßerweiterung (Angioplastie) mittels eines kathetergeführten Ballons (Ballondilatation) eignet und berichtet davon im Interview.



DIE "SCHAUFENSTERKRANKHEIT" IM VISIER

Schmerzt plötzlich jeder Schritt - und nur Gehpausen helfen? Dann sollten Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt um  Rat bitten. Dahinter kann die periphere arterielle Verschlusskrankheit, kurz pAVK, stecken. Umgangssprachlich wird sie auch Schaufensterkrankheit genannt, weil Betroffene eine Pause vor dem Schaufenster nutzen, um die Schmerzen abklingen zu lassen. Im Beitrag erfahren Sie, auf welche Symptome sie achten sollten und was bei Diagnose und Therapie hilft. Prof. Dr. Peter Huppert erläutert im Interview, wann minimalinvasive radiologische Eingriffe sinnvoll sind, um die pAVK zu behandeln.